Deichverband Duisburg-Xanten

[17.6.2020]

Transparenz

Die für April 2020 anvisierte nächste Öffentlichkeitsveranstaltung musste aufgrund der Eindämmung der COVID-19 Pandemie abgesagt werden. Der vorliegende Sachstandsbericht soll Interessierten die Möglichkeit geben, sich über den Stand der Planung dieser Deichsanierung zu informieren. Die Terminfindung für einen nächsten Öffentlichkeitstermin hängt maßgebend von den Beschränkungen durch die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19 Pandemie ab.

Ziel

Zur Sicherstellung des Hochwasserschutzes bis zu dem am Niederrhein von der Bezirksregierung Düsseldorf vorgegebenen Bemessungshochwasser (BHQ2004) und Freiboardmaß beabsichtigt der Deichverband Duisburg-Xanten, die Rheindeiche im Bereich von Baerl, Binsheim und Orsoy zu ertüchtigen. Die Notwendigkeit zur Ertüchtigung ergibt sich zum einen aus Höhendefiziten und zum anderen aus unzureichender Stand- und Betriebssicherheit. Grundlage der Ertüchtigung bilden die allgemein anerkannten Regeln der Technik (a. a. R. d. T.), die für Hochwasserschutzbauwerke und Deiche vornehmlich durch die Norm DIN 19712 und das Merkblatt DWA-M 507 gebildet werden und die Deichschutzverordnung der Bezirksregierung Düsseldorf.

Ausgangszustand

Der erste von vier Deichabschnitten beginnt am Hochufer am Duisburger Stadtteil Baerl und erstreckt sich bis ca. zum Rhein-km 787,50, wo sich etwa die sogenannte „Blauen Kuhle“ befindet. Der zweite Abschnitt beginnt in Binsheim und erstreckt sich zwischen den Rhein-km 790,90 bis 792,50. Zwischen Abschnitt 1 und 2 liegt der bereits sanierte erste Bauabschnitt von Binsheim. Das Orsoyer Stadtgebiet bildet den dritten Abschnitt bis Rhein-km 793,60, bevor im Bereich des NIAG Hafens der letzte Abschnitt westlich bei Rhein-km 794,30 an einen bereits sanierten Deich anschließt. Die Gesamtlänge der zu ertüchtigenden Abschnitte beläuft sich auf ca. 4,6 km Rheinhauptdeiche, welche aufgrund von Bergsenkungsvorgängen bereichsweise eine Höhe von über 15 m aufweisen.

Die Bestandsdeiche werden von einigen Durchlässen und Leitungen gequert. Im Bereich von Baerl kreuzen drei Druckleitungen den Deich, die nach den a. a. R. d. T. ertüchtigt werden müssen. Gleiches gilt für die Druckrohre am Lohkanal und dem Gewässerdurchlasses des Lohkanals selbst. In Orsoy quert die Straße zum Fähranleger am Deichtor Orsoy die Hochwasserschutzlinie. Am NIAG-Hafen führen zudem ein Bahn- und ein Straßendurchlass auf das Hafengelände und durchbrechen somit die Deichlinie.

Planungstand

Nach Beauftragung des Ingenieurbüros Björnsen Beratende Ingenieure GmbH aus Koblenz Ende 2018 wird nun Mitte 2020 die Vorplanung im Entwurf fertiggestellt. Diese enthält einen ersten Vorschlag einer Vorzugslösung, welche die Lage bzw. Trasse der Hochwasserschutzlinie und die Art der Bauwerke festlegen soll. Hierbei wurden bereits auf Basis von durchgeführten Bürgerveranstaltungen die Vorstellungen der Betroffenen und Beteiligten aufgenommen und versucht, in die Planung zu integrieren. Grundsätzlich wird versucht, das Regelprofil der Bezirksregierung Düsseldorf als Dreizonendeich und mit einem Deichverteidigungsweg umsetzen. Die vorhandenen Wege- und Straßenbeziehungen werden, sofern nicht nachweislich gewünscht, beibehalten. Jedoch gilt auch für alle Abschnitte, dass ein belastbares und nachhaltiges Konzept für die Deichunterhaltung, -überwachung und -verteidigung umgesetzt wird, was vornehmlich auf ausreichend breite und befahrbare Wege zu und auf den Deichen beruht. Hierzu wurden abschnittsweise bereits unterschiedliche Varianten betrachtet. Das Regelprofil umfasst nicht nur den Deichkörper selbst sondern auch drei Deichschutzzonen. Deichschutzzone I und II  bedingen einen Mindestabstand von 10 m wasserseitig und landseitig vom Deich, weshalb der neue Deich aufgrund der zu nahen Lage des Bestandsdeiches an Gebäuden und anderen Fremdnutzungen in Richtung Wasserseite verschoben wird. Da kein zusätzlicher Retentionsraum in Anspruch genommen werden darf, müssen alle Vorverlegungen durch entsprechende Rückverlegungen ausgeglichen werden. Aufgrund der örtlichen Situation kommt in erster Linie Abschnitt 1 „Baerl“ für eine Rückverlegung in Betracht.

Als vorläufiges Resultat wird der Deich in Abschnitt 1 „Baerl“ von der Hofstraße bis zum Steinschen Hof abgetragen und neu errichtet. Auf einen Deichhinterweg wird verzichtet und aufgrund der einzuhaltenden Deichschutzzone II wird er etwas in Richtung Wasserseite verschoben. Der Deichunterhaltungs- und Verteidigungsweg befindet sich hier auf der Krone. Anschließend wird das Regelprofil bis zum Anschluss an den zweiten Bauabschnitt Binsheim hergestellt und der Deich zum Retentionsraumausgleich zurückverlegt. In Binsheim wird der Deich abgetragen und in Richtung Wasserseite verschoben und mit dem Regelprofil ausgestattet. Die zahlreichen Über-, Auf- und Abfahrten werden bei der Planung berücksichtigt.
Stromabwärts von Binsheim wird das Regelprofil fortgeführt und an den Deich am Altenheim in Orsoy angeschlossen. Dort wird jedoch der Deich wasserseitig mit einer Spundwand ausgestattet und ein neuer Deichkronenweg angeordnet, der auch zur Deichverteidigung und -unterhaltung genutzt werden kann. Die Spundwand wird bis zum NIAG-Hafen-Gelände durchgeführt, wobei sie am Deichtor Orsoy unterbrochen wird. Derzeit wird davon ausgegangen, dass das Deichtor ohne aufwendige Maßnahmen in die Hochwasserschutzlinie integriert werden kann, und keine Bausubstanz benötigt wird, um die Wegebeziehungen des Hochwasserschutzes in diesem Bereich herzustellen. Am Lohkanal werden die bestehenden Druckleitungen und der Gewässerdurchlass ertüchtigt.Am NIAG-Hafen wird der Bestandsdeich weitestgehend als Hochwasserschutzbauwerk beibehalten, nur wird ein befestigter Deichkronenweg angeordnet. Die Durchlässe der NIAG werden
derzeit hinsichtlich Standsicherheit und Dauerhaftigkeit von der NIAG geprüft. Es wird mit einer zeitnahen Rückmeldung gerechnet. Beide Durchlässe sind auch zukünftige Teil des Hochwasserschutzes.

Die Andienung der Baustelle bzw. die Anlieferung der großen Materialmengen soll über die bestehende NATO-Rampe zwischen Baerl und Binsheim erfolgen um den Eingriff auf das
Schutzgut Mensch so gering wie möglich zu halten. Eine erste Vermessungskampagne wurde bereits im Frühjahr 2019 abgeschlossen. Im Rahmen der anstehenden Entwurfsplanung werden weitere Vermessungsarbeiten durchgeführt. Die Kartierung von Flora und Fauna sollten im Sommer 2020 abgeschlossen werden. Die entsprechenden Fachgutachten, wie z. B. für den Artenschutz, sind in Bearbeitung.

Die vorgenannten Planungen haben zunächst einen vorläufigen Charakter.

Abstimmung mit Dritten und TÖB, Öffentlichkeitsarbeit

Es wurden schon mehrere Öffentlichkeitsveranstaltungen durchgeführt. Mit politischen Gremien und Behörden wurden unterschiedliche Planungsstände diskutiert. Die Städte Rheinberg und Duisburg sind stets willkommene Gesprächspartner während der Planungs-Jour-Fixe. Betroffene Versorger wie z. B. die NIAG, LINEG oder WVN werden und wurden regelmäßig zu Abstimmungsgesprächen eingeladen, um die Planungsrandbedingungen im Detail festlegen zu können.
Die für April 2020 vorgesehene nächste Öffentlichkeitsveranstaltung wird nachgeholt. Aufgrund der hochwertigen Schutzgebiete und Lebensräume sind die Naturschutzbehörden von Anfang an eingebunden. Gleiches gilt auch für die Denkmalschutzbehörden, die über die zahlreichen Boden- und Baudenkmäler im Projektgebiet wachen. Weitere Schritte Im Herbst 2020 soll eine Baugrunderkundungskampagne im Projektgebiet starten, die als Grundlage der Entwurfs- und Genehmigungsplanung erforderlich ist. Die vorläufigen Ergebnisse der Vorplanung sind mit einer Vielzahl an Betroffenen und Beteiligten abzustimmen. Eine der Hauptaufgaben für die nächsten Planungsphasen wird es sein, eine konsensfähige Lösung zu erarbeiten.

Die Entwurfsplanung soll im Herbst bis Winter 2021 vorliegen. Die Einreichung der Genehmigungsunterlagen soll Anfang des Jahres 2022 stattfinden. Erfahrungen bei der Dauer von Genehmigungsprozessen derartiger großen Hochwasserschutzprojekte liegen derzeit bei nicht unter zwei Jahren, weshalb mit einem Baubeginn vor 2024/25 nicht zu rechnen ist.

Hochwasserschutz als Gemeinschaftsaufgabe

Hochwasserschutz ist eine zentrale Gemeinschaftsaufgabe und besonders am Niederrhein mit dem europa-weit unvergleichbaren Schadenspotential von enormer Bedeutung. Der Deichverband steht hierfür ein und zählt auf die konstruktive  Zusammenarbeit aller zum Wohle der Betroffenen. Gleichzeitig möchte der Deichverband alle Beteiligte und Betroffene ermuntern, sich proaktiv an dem Planungsprozess zu beteiligen und einzubringen, um die sich hieraus ergebenden Ansprüche und Ideen möglichst früh im Projekt berücksichtigen zu können. Es sollte das Ziel aller sein, für die bestehenden Unwägbarkeiten konsensfähige Lösungen zu finden, welche die Gemeinschaft zusammenbringt.